

| Anwalt von Harris & Moure im Gespräch im nationalem Fernsehen |
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22. Dezember 2004 Gespräch in Canada's Report in Business Television Howard Green: Dies könnte sehr wohl den Preis für die bizarrste Versteigerung in 2004 gewinnen: der Ausverkauf der Aktiva von Yukos für mehr als neun Milliarden Dollar am vergangenen Sonntag. Der Bieter, den niemand zu kennen scheint, hatte den Deal nach nur 10 Minuten in der Tasche, woraufhin viele spekulierten, dass es im Vorfeld eine Absprache gegeben hatte. Die späteren heutigen Nachrichten zeigten jedoch, dass das russische staatliche Ölunternehmen Rosneft Baikal gekauft hat. Dan Harris von der Kanzlei Harris & Moure in Seattle ist als Anwalt im internationalen Recht tätig und hat in anderen russischen Fällen gearbeitet. Er wird von Seattle zugeschaltet. Danke, Dan, dass Sie zu einem Gespräch zur Verfügung stehen. Dan Harris: Danke Howard. Danke Ihnen für die Einladung. Howard Green: Also, zuerst einmal: die heutigen Nachrichten, dass das russische staatliche Ölunternehmen Rosneft dieses mysteriöse Unternehmen Baikal gekauft hat, was bedeutet dies Ihrer Meinung nach? Dan Harris: Ich bin mir nicht sicher. Das scheint das letzte einer Reihe von Gerüchten hinsichtlich der Inhaberschaft von Baikal zu sein. Ich weiß, dass Rosneft das staatliche Ölunternehmen ist, aber meines Erachtens liegt der Wert dieses Unternehmens nur bei fünf bis sechs Milliarden Dollar. Von daher frage ich mich, woher man derartige Summen nehmen konnte. Howard Green: Das zusätzliche Geld, um den Neun-Milliarden-Dollar-Kauf vom vergangenen Sonntag zu finanzieren, meinen Sie das? Dan Harris: Genau. Howard Green: Wie steht's mit dieser Versteigerung und deren Rechtmäßigkeit? Dan Harris: Ja, es war zumindest rechtmäßig nach russischem Recht; offensichtlich war es weniger rechtmäßig nach US-Recht, da es diesen Beschluss eines Konkursgerichtes aus Houston gab, welcher gegenüber aller Welt anordnete, dass mit den Aktivposten von Yukos nichts unternommen werden konnte, und die Versteigerung verstieß offensichtlich gegen diesen Beschluss. Howard Green: Wohin soll das führen, mit zwei unterschiedlichen Rechtssystemen, die sich mehr oder weniger gegenseitig zerfetzen? Dan Harris: Das ist tatsächlich die entscheidende Frage und ich denke, dass dies die wichtige Frage ist, weil sie in Gerichten außerhalb der Vereinigten Staaten und außerhalb Russlands entschieden werden wird. Verschiedene Länder werden für sich entscheiden müssen, welche Gesetze sie befolgen werden: die der Vereinigten Staaten oder die von Russland. Howard Green: Welcher Ort ist Ihrer Ansicht nach der wahrscheinlichste, um diese Streitigkeit auszutragen? Dan Harris: Ich denke nicht, dass es irgendeinen wahrscheinlichen Ort hierfür gibt, ich denke, dass es mehrere wahrscheinliche Orte geben wird. Ich denke auch, dass Yukos letztlich den Ort aussuchen wird und hierfür berücksichtigen wird, wo es auf das Vermögen von Baikal Finance Zugriff nehmen kann, da dies das Unternehmen ist, welches die Aktivposten von Yukos aufgekauft hat. Und ich denke, dass sie ein Land wählen werden, wo es solches Vermögen gibt und wo die Gerichte den Beschluss des US-Gerichtes respektieren werden. Howard Green: Aber zurück zur Frage der Rechtmäßigkeit des ganzen, was ist die allgemeine Meinung? Gibt es ein starkes Argument für eine der Parteien? Dan Harris: Ganz bestimmt nicht. Die Wahrheit ist, dass Russland einfach seine eigenen Gesetze befolgt hat, indem die Versteigerung durchgeführt wurde. Nach russischem Recht bestand keine Verpflichtung, den Beschluss eines US-Gerichts zu befolgen. Und das US-amerikanische Gericht hat US-amerikanisches Recht befolgt, so dass es schwierig ist zu sagen, dass eines der beiden Länder bis hierher widerrechtlich im Hinblick auf den Gerichtsbeschluss und sogar die Versteigerung in Russland gehandelt hätte. Ich füge hinzu, dass ich nicht über die Ereignisse rede, welche vor der Versteigerung in Russland stattgefunden haben, z.B. die Steuerprobleme, welche Yukos hatte. Howard Green: Aber sieht es so aus, als sei die Versteigerung manipuliert gewesen? Dan Harris: Ganz bestimmt; da ist dieses Unternehmen, Baikal Finance, welches vor der Versteigerung nicht existiert hat, soweit ich weiß. Dann kommt dieses Unternehmen und gibt neun Komma noch was Milliarden Dollar in einer Versteigerung aus. Das ist schon sehr seltsam. Was ebenfalls seltsam ist, ist dass die Regierung ein Minimalgebot für die Versteigerung festgelegt hatte, von, ich glaube, 8.6 Milliarden, und dass Baikal Finance, obwohl es der einzige Bieter in der Versteigerung war, höher als dieses Minimum bot, so dass man sich fragen muss, warum sie dass tun würden? Howard Green: Ist diese Situation überraschend für Sie? Ich meine, Sie haben mit russischen Rechtskreisen zuvor zu tun gehabt. Dan Harris: Leider nicht. Ich habe seit zehn Jahren mit Russland zu tun und ich habe immer gesagt, dass das Geschäftsklima jeden Monat besser wurde, aber ich habe vor drei oder vier Monaten aufgehört, das zu sagen, von daher, nein, es überrascht mich überhaupt nicht. Die Situation dort während der letzten sechs Monate war nicht gut. Howard Green: Wie werden diese Auswirkungen außerhalb von Russland von Leuten wahrgenommen, die Geschäfte mit Russland machen? Dan Harris: In dem Sinne, dass, wenn sie zuvor nicht vorsichtig in ihren Geschäften in Russland waren, sollten sie dies jetzt auf jeden Fall sein. Wenn ich ein Geschäftsmann wäre, der Russland anvisiert, würde ich sagen, "wenn das mit Yukos, einem der größten und stärksten Unternehmen in ganz Russland geschehen konnte, was könnte dann mit mir geschehen?" Ich denke, dass Geschäftsleute sich fragen werden: "Werden in Russland die Regeln des Gesetzes überhaupt befolgt?" Howard Green: Wie steht es mit westlichen Regierungen, konfrontieren sie Vladimir Putin in dieser Sache oder haben sie Angst vor ihm? Dan Harris: Ich denke, ein klein wenig von beidem. Ich denke, es gab ein wenig Konfrontation. Ich weiß, dass das US-Außenministerium den Ereignissen mit Yukos kritisch gegenüber gestanden hat. Ich denke, dass wir erst in den nächsten Monaten wirklich erfahren werden, was die Regierungen unternehmen werden, denn Yukos wird die Sache vor deren Haustüren tragen, indem es Verfahren in verschiedenen Ländern anhängig machen wird. Howard Green: Gestatten Sie mir eine letzte Frage: Wenn Sie ein Spieler wären, welche Wette würden Sie hinsichtlich des Ausgangs des Ganzen abgeben? Dan Harris: Ich würde sagen, dass Yukos nie wieder das sein wird, was es war. Yukos wird in der Zukunft kein Ölunternehmen mehr sein. Es wird im Wesentlichen eine Prozessmaschinerie sein, welches die Erlangung seines Vermögens - in entscheidendem Ausmaß - in der ganzen Welt verfolgen wird. Ich habe gehört, dass Yukos vierzig Milliarden Dollar Schadensersatz von mehreren der beteiligten Parteien geltend machen wird, einschließlich des Käufers seines Vermögens und all dieser Unternehmen, welche im Geschäft mit diesem Käufer stehen. Howard Green: Es war ein Vergnügen, mit Ihnen zu sprechen, Dan, vielen Dank, dass Sie hier sein konnten. Dan Harris: Danke für die Einladung, Howard. Howard Green: Das war Dan Harris, Rechtsanwalt im internationalen Recht von Harris & Moure, zugeschaltete von Seattle, Washington.
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