Erfüllt der Export nach Russland die an ihn gestellten Ansprüche?

Face to Face, Dezember 2001

Produktion und Text:
Rikke Lauritsen
Tomoko Sakata
International Trade Fair Association

Erfüllt der Export ins "bürokratische" Russland die an ihn durch US-amerikanische Exportunternehmen gestellten Ansprüche?

Wenn man die internationalen Nachrichten verfolgt, könnte man einen negativen Eindruck vom russischen Geschäftsklima bekommen. Optimismus ist jedoch tatsächlich angebracht. Geschäftsgelegenheiten sind reichlich vorhanden und der russischen Wirtschaft geht es gut. Im Jahre 1999 nahm die Wirtschaftsproduktion um 3.2 % zu, wobei sie einen großen Teil der Abnahme von 4.6 % im Jahre 1998 wieder wett machte und die russische Regierung sieht eine Wachstumsrate von 4 % für das nächste Jahr voraus. Nach drei Jahren durchgehenden Wachstums hat sich der Rubel jetzt stabilisiert und ein zunehmender Betrag des nationalen Wirtschaftsüberschusses wird für die Zahlung von Auslandsschulden verwendet. Dieser Konjunkturaufschwung war durch die Verdreifachung der internationalen Ölpreise in der zweiten Hälfte von 1999 möglich, womit Russlands Exportertrag auf 29 Milliarden USD anstieg. "Es ist eine unglaubliche politische und wirtschaftliche Stabilisierung seit der Krise eingetreten," berichtet Pavel Buzytsky, ein russischer Exportberater für die Progressor USA, LLC. "Die Angst, welche einige US-amerikanische Unternehmen dazu trieb, Geschäftsoperationen einzustellen, sollte mittlerweile in vernünftigem Rahmen beruhigt sein. " Eine die Ansicht von Buzytsky unterstützende Studie wurde kürzlich in der dänischen Geschäftszeitung Jyllands-posten veröffentlicht. Diese stellt fest, dass 80 % aller westlichen Manager, welche in Russland tätig sind, hinsichtlich zukünftiger Aussichten aufgrund des zunehmenden Bedürfnisses nach ausländischen Waren und der zunehmenden finanziellen Kaufkraft des russischen Verbrauchers optimistisch sind.

Zunehmender Optimismus
Der Optimismus hinsichtlich des russischen Marktes ist innerhalb von nicht-amerikanischen Unternehmen am offensichtlichsten. "Ich sehe, dass asiatische und europäische Unternehmen viel aggressiver vorgehen als amerikanische Unternehmen" sagt Dan Harris, Rechtsanwalt von Harris & Moure, einer Kanzlei in Seattle, welche regelmäßig russische Unternehmen weltweit sowie US-amerikanische, asiatische und europäische Unternehmen in deren Geschäften mit Russland und russischen Unternehmen vertritt. "Es gibt viel Potential für amerikanische Unternehmen."

Warum zögern Gesellschaften?
Im Kielwasser der 1998er Wirtschaftskrise entschieden sich einige US-amerikanische Gesellschaften dafür, sich zurückzuziehen und den russischen Markt mehr oder weniger für immer abzuschreiben. Jetzt wo die russische Wirtschaft Zeichen der Verbesserung zeigt, warum lassen amerikanische Unternehmen ihre Zweifel nicht fallen? "Unternehmen werden wieder aktiv, aber wir sprechen hier über eine sehr langsame Wiederaufnahme des Wirtschaftsgeschäfts, wenn Sie überlegen, wie sich das russische Geschäftsklima verbessert hat" sagt Buzytsky. Er fügt hinzu, "amerikanische Unternehmen sind vielleicht immer noch allzu sehr über mögliche Risiken besorgt. Ich würde mich freuen, wenn es mehr Unternehmen gäbe, die sich der vielfältigen Möglichkeiten bewusst wären. "

Direkte Auslandsinvestition
Die Hauptsorge für potenzielle Kapitalanleger ist bisher die manchmal verblüffende russische Bürokratie gewesen, die dazu neigt, unkomplizierte Geschäftsoperationen unmöglich zu machen. Unter der derzeitigen Putin-Regierung existieren jedoch der Wille und der starke Ruf nach Reformen. Seit 1998 ist die russische Regierung gegenüber Wirtschaftsreformen sehr offen gewesen, veranschaulicht durch das reformierte Steuerrechtssystem. Außerdem wird erwartet, dass die Unternehmenssteuern im nächsten Jahr von 35 % auf 24 % gesenkt werden. Trotz dieser Entwicklungen haben US-amerikanische Investitionen in Russland während der letzten drei Jahre bisher nur gering zugenommen. Immer mehr Unternehmen nehmen jedoch das Potential wahr. Margaret Niles, Rechtsanwältin von Preston, Gates & Ellis, die regelmäßig US-amerikanische Unternehmen bei deren Geschäften in Russland berät, warnt, dass "man Geduld und ein Engagement auf längere Zeit benötigt, um in Russland erfolgreich zu sein. Es gibt keine sofortigen Ergebnisse, aber ich würde nicht überrascht sein, in der Zukunft mehr erfolgreichere amerikanische Wirtschaftsprojekte zu sehen." Heute empfängt Russland US-amerikanische Unternehmen mit offenen Armen, welche sich die Zeit nehmen, über das politische, wirtschaftliche und soziale System Russlands mehr zu erfahren. Russlands Wirtschaft ist wieder auf Achse und bereit für neue Geschäfte, so dass US-amerikanische Unternehmen allen Grund haben, in der Zukunft mit Gewinnen aus deren Investitionen zu rechnen.

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