

| Die Amerikanisierung des internationalen Rechts |
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18. Januar 2000 - Yomiuri Shimbun Selbst in den Vereinigten Staaten, wo Menschen verschiedenster Herkünfte und Weltansichten leben, ist es nicht die Norm, ein gegenseitiges Einvernehmen mit seinem Widersacher anzustreben. Geschäftsprobleme werden ebenso oft vor den Gerichten ausgetragen wie über Konferenztischen verhandelt. Wie man sich vorstellen kann, bedeutet eine solche Einstellung, dass in den USA kein Mangel an Anwälten herrscht. Im Gegensteil, aufgrund der großen Anzahl von Rechtsanwälten in den Vereinigten Staaten spielen diese eine entscheidende Rolle in vielen Lebensbereichen, einschließlich Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. Es gibt mehr als eine Million Rechtsanwälte in den Vereinigten Staaten und der Prozentsatz an Einwohnern der Vereinigten Staaten, welche den Beruf des Rechtsanwalts ausüben, ist etwa fünfzigmal höher als in Japan. Mit mehr als einer Million amerikanischer Rechtsanwälte gibt es selbstverständlich viele sehr gute Rechtsanwälte in den Vereinigten Staaten und immer mehr Länder der ganzen Welt nutzen amerikanische Rechtsanwälte für deren Rechtsberatung in internationalen Angelegenheiten. "In den Vereinigten Staaten ist es notwendig, alle verschiedenen möglichen Probleme zu prüfen und diese dann in einen Vertrag aufzunehmen. Von daher sind Verträge in den Vereinigten Staaten in der Regel ziemlich lang. Die Vereinigten Staaten leiden ebenfalls unter vielen unnützen Gerichtsverfahren, was zum Teil auf der Abgeneigtheit gegenüber Bemühungen zur Erreichung eines gegenseitigen Einvernehmens beruht" sagt Satoru Murase, ein Rechtsanwalt von Bingham Dana, Anwaltsbüro in New York mit mehr als 400 Rechtsanwälten. Wird die Globalisierung des amerikanischen Rechts in anderen Ländern dazu führen, dass mehr Gerichtsverfahren anhängig gemacht werden? Rechtsanwalt Murase antwortet: "Wir können uns nicht vorstellen, dass in Japan dieselbe Situation eintritt wie in den Vereinigten Staaten, weil wir noch nicht einmal wissen, ob dies gut oder schlecht sein würde." Die Amerikanisierung des internationalen Rechts führt ebenfalls dazu, dass immer mehr ausländische Unternehmen ihre Rechtsstreitigkeiten amerikanischen Anwälten anvertrauen und sogar Verfahren vor amerikanischen Gerichten anhängig machen. Dan Harris, internationaler Prozessanwalt in Seattle, Washington, erzählte uns über einen Fall, welchen er jüngst erfolgreich für ein Helikopterunternehmen aus dem fernen russischen Osten bearbeiten konnte. Dieses hatte Herrn Harris mit der Einleitung eines Verfahrens vor einem Bundesbezirksgericht in Seattle beauftragt, um die Herausgabe von drei Hubschraubern zu erlangen, welche widerrechtlich in Malaysia zurückbehalten worden waren. "Ich werde regelmäßig durch ausländische Unternehmen kontaktiert, welche deren Gerichtsverfahren in den Vereinigten Staaten anhängig machen möchten, " sagt Herr Harris. "Ich denke, der Grund hierfür ist, dass die amerikanischen Gerichte (ebenso wie die britischen Gerichte) wahrscheinlich die am meisten respektierten Gerichte der Welt sind. Die Leute wissen, dass amerikanische Rechtsanwälte eine sehr gute Ausbildung genießen und sie wissen, dass das amerikanische Justizsystem fair ist." Herr Harris, dessen Kanzlei zu ungefähr 90 % in internationalen Angelegenheiten tätig ist (Russland, Korea, Japan, China, Vietnam, etc.), sagt, er werde am häufigsten von Unternehmen aus den neuen Märkten kontaktiert, um Verfahren hier in den Vereinigten Staaten anhängig zu machen. Herr Harris schreibt dies deren überzeugung zu, dass sie hier in den Vereinigten Staaten fairer behandelt werden und eine schnellere Entscheidung erlangen können, als dies in deren Heimatländern oder in den Ländern der jeweiligen Gegenparteien der Fall wäre. Mit der Globalisierung der Rechtsberatungen nimmt selbstverständlich auch der Wettbewerb in der Suche nach Mandanten zu. Gegründet 1849, Davis Polk & Wardwell ist eine Spitzenkanzlei in New York, welche auf eine herausragende Vergangenheit verweisen kann. Das New Yorker Büro verfügt über einen großen Raum, welcher mit wertvollen Gemälden dekoriert ist und eine elegante Atmosphäre ausstrahlt. In früheren Tagen der Kanzlei waren deren Anwälte weißer Abstammung und kamen aus reichen Familien, aber heutzutage arbeiten hier Anwälte mit 30 verschiedenen Nationalitäten. Die Konkurrenz um Mandanten hat ebenfalls die großen internationalen Wirtschaftsprüfergesellschaften erfasst, welche mittlerweile Anwälte beschäftigen und für welche Globalisierung kein Fremdwort mehr ist. Der Jahresumsatz der "Großen Fünf" Wirtschaftsprüfergesellschaften erreicht fast 60 Billionen USD und diese Zahl nimmt um ungefähr 20% pro Jahr zu, im Gegensatz zu 2% Zuwachs noch im Jahre 1993. Der größere Teil dieses Geschäfts ist Bilanzführung, aber die Einnahmen von Körperschaftssteuerberatungen, Kapitalausgaben und Rechtsberatungen in anderen Bereichen nehmen ebenfalls zu. Die amerikanische Anwaltsvereinigung ist sich des Ausmaßes bewusst, in welchem die Wirtschaftsprüferunternehmen in den Bereich der Rechtsberatung eingedrungen sind und sich dort behaupten und hat mittlerweile das amerikanische Justizministerium um Unterstützung gebeten, um die Rechtmäßigkeit deren Tätigkeit innerhalb der Rechtsberatung zu überprüfen. Die Großen Fünf Wirtschaftsprüferunternehmen befinden sich auf demselben Niveau wie die großen Kanzleien, was die Anzahl von beschäftigten Rechtsanwälten betrifft. Arthur Anderson beschäftigt 2.700 Rechtsanwälte, Price Waterhouse Coopers hat 1.500 und Deloitte & Touche hat 910. Dies würde sie nach National Law Journal an den ersten, zweiten und siebenten Platz in der Liste der Kanzleien nach Größenordnung stellen. Rechtsanwalt Murase sagt voraus, dass "der Kampf zwischen Wirtschaftsprüferunternehmen und Kanzleien weitergehen und nicht ohne Gewalt verlaufen wird."
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